Der unterschätzte Einfluss von Licht auf Zuchtverhalten und Aufzucht

Licht ist mehr als nur Sichtbarkeit – es ist ein Taktgeber für das Leben im Aquarium.

In meinen ersten Zuchtversuchen spielte Licht keine große Rolle. Ich hatte handelsübliche Leuchtstoffröhren, eine Zeitschaltuhr – fertig. Heute weiß ich: Licht hat einen enormen Einfluss auf das Verhalten, die Brutpflege und das Wachstum von Jungfischen. Und ich nutze es gezielt.

1. Warum Licht in der Zucht so wichtig ist

Licht beeinflusst nicht nur die Algenbildung oder Pflanzen, sondern auch:

  • Balzverhalten
  • Hormonausschüttung bei Zuchttieren
  • Laichzeitpunkt und -platzwahl
  • Fressverhalten von Jungfischen
  • Ruhephasen und Stressresistenz

Ich habe Zuchtansätze scheitern sehen, weil die Lichtverhältnisse zu grell oder unnatürlich waren – obwohl Wasser und Futter stimmten.

2. Welche Lichtarten ich getestet habe

  • Standard-LED-Beleuchtung: gut für Sichtbarkeit, aber oft zu hell für viele Arten
  • Dimmbare LED-Lichtleisten: optimal zur Simulation von Dämmerung und Mittagsruhe
  • Tageslichtlampen: bei pflanzenreichen Aufzuchtbecken sinnvoll, aber mit Vorsicht

In reinen Zuchtbecken nutze ich heute fast nur noch gedimmte, indirekte LED-Leisten.

3. Lichtzyklen gezielt einsetzen

Ich fahre folgende Lichtzeiten:

  • 08:00 Uhr – langsame Aufhellung (10 % → 50 % in 30 Minuten)
  • 12:00–16:00 Uhr – Hauptlichtphase (60–70 %)
  • 16:00–18:00 Uhr – Dimmung auf 30 %
  • 18:00–20:00 Uhr – Dämmerung (10–15 %)
  • 20:00 Uhr – Licht aus, Raum nur schwach beleuchtet

Die Tiere sind dadurch wesentlich ruhiger, Laichbereitschaft zeigt sich konstanter und Brutpflege läuft zuverlässiger.

4. Welche Arten besonders empfindlich sind

  • Labyrinther (z. B. Betta, Colisa): lieben Schatten, laichen häufig bei weichem Licht
  • Zwergbuntbarsche (Apistogramma, Nannacara): meiden helles Licht bei Brutpflege
  • Welsarten: nachtaktiv, brauchen ruhige Lichtverhältnisse

Ich verwende schwimmende Pflanzen oder Deckblätter (z. B. Seemandelbaum, Eichenblatt), um punktuelle Lichtreduktion zu erzielen.

5. Licht und Futteraufnahme

Viele Jungfische fressen nur bei ausreichend Licht – aber das darf nicht blenden. Ich arbeite bei Aufzuchten mit 30–50 % Helligkeit, verteilt über 10–12 Stunden. In dieser Zeit gibt es 3–4 Fütterungen in gut beleuchteten Zonen.

Wichtig: Nach jeder Fütterung reduziere ich das Licht um ca. 10 % → das reduziert Stress und fördert Verdauung.

6. Fehler, die ich gemacht habe

  • Licht direkt auf Höhlen gerichtet → Brutabbruch
  • Zu grelle Beleuchtung bei frisch geschlüpften Jungfischen → Fressunlust
  • Keine Dämmerungsphase → Stress beim Lichtwechsel

Heute plane ich Licht wie einen biologischen Rhythmus – nicht wie eine Schreibtischlampe.

7. Mein aktueller Lichtaufbau

  • Dimmbare LED-Streifen mit 6500 K und 4500 K (weiß und warmweiß kombiniert)
  • Zeitgesteuert über WLAN-Steckdose mit App-Kurve
  • Optional Nachtlicht (blau) bei sensiblen Arten – max. 5 %

So kann ich den Tagesverlauf simulieren – und das Verhalten meiner Zuchttiere gezielt steuern.

Fazit: Wer das Licht versteht, versteht seine Fische

Beleuchtung ist kein Detail – sie ist Teil der Zuchtstrategie. Ein guter Lichtplan kann der Auslöser sein, wenn alles andere schon perfekt scheint. Und manchmal ist der Moment der Dämmerung der Beginn neuen Lebens im Becken.

Herzlich,
Haustier Blogger

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