Zucht ohne Bodengrund: Warum nackte Becken oft der Schlüssel zum Erfolg sind

Manche halten es für hässlich. Ich halte es für genial: ein Aquarium ohne Bodengrund.

In der Zuchtpraxis ist Funktion oft wichtiger als Ästhetik. Und genau deshalb habe ich in vielen Fällen den Bodengrund komplett weggelassen – mit großem Erfolg. Hier erfährst du, wann, warum und wie das funktioniert.

1. Was bedeutet „nackt“ züchten?

Ein „nacktes“ Zuchtbecken hat:

  • keinen Bodengrund (also weder Sand noch Kies)
  • häufig auch keine Pflanzen, sondern nur funktionale Dekoration (z. B. Laichkegel, Wurzeln, Höhlen)
  • maximale Kontrolle über Wasserqualität und Verhalten

2. Vorteile des nackten Beckens

Ich habe festgestellt:

  • Weniger Verunreinigung: Futterreste lassen sich sofort absaugen
  • Mehr Kontrolle: Verhalten, Laichaktivität, Brutpflege gut beobachtbar
  • Bessere Hygiene: Keine faulenden Zonen unter Kies oder Wurzeln
  • Flexibilität: Leicht zu reinigen und neu zu bestücken

Für viele Arten – besonders in Aufzucht- und Laichbecken – ist das ideal.

3. Typische Einsatzgebiete

  • Laichbecken für Skalare, Diskus, Zwergbuntbarsche
  • Aufzuchtbecken für Jungfische
  • Quarantäne- und Beobachtungsbecken

Gerade bei Arten, die empfindlich auf Schmutz oder Keime reagieren, ist ein bodenloses Becken oft der Schlüssel.

4. Technik im nackten Becken

Ich setze meist auf luftbetriebene Schwammfilter oder Mattenfilter, die leicht zu reinigen sind. Wichtig: Saugschutz, wenn Jungfische im Becken sind!

Beleuchtung ist oft minimal – das reduziert Stress und Algenbildung.

5. Was ich trotzdem einsetze

Ein paar Dinge kommen doch ins Becken:

  • Tonhöhlen oder Filmdosen als Laichplätze
  • Kokosnussschalen für schüchterne Arten
  • Laub (z. B. Seemandelbaum) bei Schwarzwasserarten

Aber alles entnehmbar, alles leicht zu desinfizieren.

6. Kritik: „Sieht doch furchtbar aus!“

Ja, ein Zuchtbecken ohne Bodengrund ist kein Wohnzimmer-Aquarium. Aber: Die Jungfische wachsen schneller, die Pflege ist effizienter, der Erfolg stellt sich häufiger ein.

Ich trenne heute strikt zwischen Zuchtanlage und Schaubecken – beides hat seinen Platz.

7. Reinigung und Wasserwechsel

Ein nacktes Becken erlaubt punktgenaues Arbeiten:

  • Futterreste mit dünnem Schlauch absaugen
  • 1–2× täglich Teilwasserwechsel (10–20 %) mit gleich temperiertem Wasser
  • Oberfläche mit Magnetreiniger säubern – fertig

Das dauert keine 5 Minuten – täglich – und hält das System stabil.

8. Wann ich trotzdem Bodengrund nutze

Bei langfristiger Haltung oder zur Simulation natürlicher Bedingungen (z. B. bei Wildfang-Apistogramma) nutze ich feinen Sand.

Auch bei Pflanzenaufzucht oder Harnischwelsen mit Grabverhalten ist ein Substrat sinnvoll.

Fazit: Nacktheit ist kein Mangel – sondern Strategie

Ein Aquarium ohne Bodengrund ist kein Zeichen von Faulheit, sondern ein Werkzeug. Es hilft, Brut zu retten, Wachstum zu fördern und Hygiene zu wahren.

Probier es aus – vielleicht entdeckst du, dass weniger manchmal mehr ist.

Herzlich,
Haustier Blogger

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