Wurmzucht zu Hause: Lebendfutter für Zuchttiere selbst gemacht
Es gibt Momente im Züchterleben, in denen man zum Farmer wird. Bei mir war das der Tag, an dem ich meine erste Mikrowurm-Kultur ansetzte.
Seitdem vergeht kein Tag, an dem ich nicht selbst gezüchtetes Lebendfutter verwende. Es spart Geld, gibt Kontrolle über Qualität – und meine Fische danken es mir mit Zuchterfolg. Hier ist mein kompletter Leitfaden zur eigenen Wurmzucht für den Hausgebrauch.
1. Warum Lebendfutter unverzichtbar ist
Staubfutter, Flocke, Frost – alles nützlich. Aber nichts geht über Lebendfutter. Besonders in der Zuchtphase:
- Stärkt Immunsystem
- Fördert Balzverhalten
- Steigert Laichbereitschaft
- Bewegt sich – löst Jagdreflexe aus
Bei Jungfischen gibt es kaum etwas Effektiveres als Mikrowürmer und Essigälchen. Und genau diese kannst du zu Hause züchten.
2. Mikrowürmer: Der Klassiker für Jungfische
Was du brauchst:
- Plastikdose mit Deckel (0,5–1 Liter)
- Haferflocken (Instant oder normal)
- Wasser
- Mikrowurm-Ansatz (online oder vom Züchter)
So geht's: 1 EL Haferflocken, 1 EL Wasser – gut verrühren. Oberfläche glattstreichen. Mikrowurm-Ansatz obendrauf. Deckel locker auflegen, damit Sauerstoffaustausch möglich ist. Bei 20–24 °C lagern. Nach 2–3 Tagen kriechen die Würmchen an der Wand hoch – dort mit Wattestäbchen oder Spatel entnehmen.
Alle 10–14 Tage neu ansetzen! Alte Kulturen riechen sonst schnell faulig.
3. Essigälchen: Das Langzeitfutter
Essigälchen sind kleiner als Mikrowürmer – ideal für frisch geschlüpfte Larven.
Du brauchst:
- Schlanke Flasche (500 ml)
- Apfelessig (naturtrüb)
- Wasser im Verhältnis 1:1
- Apfelstückchen
- Essigälchen-Starterkultur
Flasche befüllen, Ansatz zugeben, dunkel und warm lagern. Nach ca. 1 Woche sind die Älchen vermehrt. Zur Entnahme: Watte in eine Pipette oder einen dünnen Schlauch stecken, oben Wasser, unten Kultur – die Älchen wandern ins Wasser, der Essiggeruch bleibt zurück.
Essigälchenkulturen halten 2–3 Monate ohne Pflege – perfekt für Reservefütterung.
4. Weitere Lebendfutterarten, die ich regelmäßig züchte
- Grindalwürmer: größer als Mikrowürmer, ideal für halbwüchsige Jungfische
- Banana Worms: besonders klein – perfekt für winzige Larven (z. B. Killifische)
- Enchyträen: energiereich – aber mit Maß füttern
Für alle gilt: Hygiene ist entscheidend. Ich setze Kulturen regelmäßig neu an, reinige Behälter gründlich und werfe bei Geruchsentwicklung lieber einmal zu früh weg als zu spät.
5. Integration in den Zuchtalltag
Ich habe einen kleinen Regalboden im Hobbyraum nur für Futterkulturen. Morgens: Mikrowürmer ernten. Alle 2–3 Tage: Essigälchen abnehmen. Wöchentlich: neue Kultur ansetzen.
Ich füttere nie direkt aus der Kultur – sondern entnehme mit Spatel oder Pipette in einen Zwischenschritt, z. B. einen Löffel oder Napf. So kontrolliere ich, ob sich eventuell andere Tiere (Milben etc.) eingeschlichen haben.
6. Wirtschaftlicher und kontrollierter
Lebendfutter zu kaufen ist teuer. Eine Mikrowurm-Kultur kostet 3–5 €, reicht aber für Monate. Und: Ich weiß, was ich verfüttere – kein Risiko durch Fremdkeime oder falsche Lagerung.
Fazit: Würmer züchten ist keine Hexerei
Wer Fischzucht ernst nimmt, sollte früher oder später mit eigener Futterzucht anfangen. Du brauchst kein Labor – nur ein paar Dosen, etwas Geduld und ein regelmäßiges Auge für Hygiene.
Für mich sind Wurmzuchten ein ruhiger, selbstversorgender Teil meines Hobbys geworden. Und die Fische danken es mir jeden Tag.
Herzlich,
Haustier Blogger
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