Wenn die Eltern ihre Brut fressen: Ursachen, Lösungen und wie ich gelernt habe, damit umzugehen

Es war der erste Laich, den ich je gesehen habe – wunderschön platziert unter einer Wurzel. Und zwei Tage später war er weg. Gefressen. Von den Eltern.

Wenn man mit der Zucht beginnt, ist das einer der frustrierendsten Momente: Man freut sich über ein Gelege – und dann wird alles zerstört. Warum das passiert, wie du damit umgehen kannst und was du daraus lernst, teile ich heute mit dir.

1. Warum fressen Eltern ihre eigene Brut?

Es gibt viele Gründe, warum Fische ihre Eier oder Jungtiere fressen – und die wenigsten haben mit "Bösartigkeit" zu tun:

  • Stress: Laute Geräusche, Lichtwechsel, Unruhe im Raum
  • Unerfahrenheit: Erstlingspaare wissen oft nicht, was zu tun ist
  • Ungeeignete Bedingungen: Temperatur, pH, Wasserwerte im Grenzbereich
  • Fremde Eingriffe: Licht anschalten, Futter ins Becken streuen, Wasserwechsel zur falschen Zeit
  • Natur: In manchen Arten ist das Fressen der Brut ein Teil des Fortpflanzungszyklus – als "Reset"

Ich habe bei Apistogramma agassizii erlebt, wie das Weibchen ihr Gelege innerhalb von Minuten fraß – nachdem ich nur das Licht eingeschaltet hatte, um ein Foto zu machen.

2. Was du tun kannst – sofort und langfristig

Sofortmaßnahmen:

  • Becken verdunkeln, Raumruhe herstellen
  • Strömung verringern, Höhlen beschatten
  • Futtergabe minimieren oder ganz einstellen für 2–3 Tage

Langfristige Strategien:

  • Rituale und Routinen etablieren – Fische lernen durch Wiederholung
  • Beckenstandort prüfen: Ist er ruhig genug?
  • Technik nachts drosseln (z. B. Licht, Luftheber reduzieren)
  • Bei Arten mit hoher Störanfälligkeit: Halbkastenfilter oder schwarze Rückwand

3. Ablaichschutz – ja oder nein?

Viele greifen zum Ablaichschutz oder setzen die Eier in Inkubatoren um. Das kann funktionieren – aber oft geht dabei auch das natürliche Verhalten verloren.

Meine Empfehlung:

  • Erstes Gelege: lassen, beobachten, lernen
  • Ab dem zweiten Gelege: nur eingreifen, wenn das Verhalten sich nicht bessert
  • Bei Dauerauffälligkeit: Eltern trennen oder Brut künstlich aufziehen

Ich persönlich lasse mindestens 3 Gelege lang „die Natur machen“. Danach entscheide ich je nach Art.

4. Brutpflege fördern – so geht's

Fische lassen sich auf Brutpflege "einspielen". Das kannst du unterstützen durch:

  • Höhlen mit nur einem schmalen Eingang
  • Laub, Wurzeln und Moos als Sichtschutz
  • Ruhige Umgebung, abgedunkelte Rückwand
  • Futterruhe während Brutpflegephase

Ich verwende auch gerne kleine, unauffällige Spot-LEDs – sie leuchten nicht den ganzen Raum aus, geben aber Orientierung.

5. Was ich daraus gelernt habe

Der Moment, in dem man erkennt, dass man zu früh eingegriffen hat – der tut weh. Aber genau da beginnt das Verständnis.

Ich habe gelernt:

  • Nicht jedes Gelege muss erhalten werden
  • Ruhe ist das höchste Gut
  • Fische sind lernfähig – und du bist es auch

Heute freue ich mich über jedes Gelege – aber ich greife erst ein, wenn es wirklich nötig ist.

Fazit: Verluste gehören dazu – aber sie sind nie umsonst

Wenn deine Fische ihre Brut fressen, ist das nicht das Ende – es ist der Anfang eines tieferen Verständnisses. Beobachte. Lerne. Und gib ihnen – und dir – eine zweite Chance.

Denn Zucht heißt nicht Kontrolle – sondern Vertrauen.

Herzlich,
Haustier Blogger

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