Wenn Aufzuchtbecken zu Klassenzimmern werden: Meine tägliche Routine mit Jungfischen
Manchmal kommt es mir vor wie ein Klassenzimmer. Morgens Kontrolle, mittags gezielte Fütterung, abends Verhaltensbeobachtung – meine Aufzuchtbecken sind keine Deko, sie sind Lernorte.
In diesem Beitrag nehme ich dich mit durch meinen Alltag mit Jungfischen. Was ich täglich prüfe, wann ich füttere, wie ich Wasserwechsel organisiere – und warum Routine für mich der Schlüssel zum Zuchterfolg ist.
1. Früh morgens: Kontrolle ohne Störung
Vor dem ersten Kaffee: Taschenlampe in der Hand, still ans Becken. Ich schaue:
- Schwimmen alle Jungfische normal?
- Gibt es Verklumpungen? (Hinweis auf Sauerstoffmangel)
- Farbe und Klarheit des Wassers
Ich öffne die Abdeckscheiben nicht – die Ruhephase der Nacht soll nicht abrupt enden. Ich notiere Auffälligkeiten, aber handle noch nicht.
2. Vormittags: erste Fütterung
Je nach Alter der Fische variiert mein Futter:
- 0–3 Tage: Infusorien, Mikroorganismen aus Moos
- 3–7 Tage: Mikrowürmer, Pantoffeltierchen, später frisch geschlüpfte Artemia
- ab 7 Tage: Artemia, fein zerriebenes Staubfutter, Cyclops
Ich achte darauf, punktuell zu füttern – damit ich später kontrollieren kann, ob alles gefressen wurde.
3. Später Vormittag: Wasserpflege
Ich wechsle täglich etwa 10–15 % des Wassers. Kein Staubsauger, keine Hektik – nur ein dünner Luftschlauch mit Fingerregelung.
Ich ziehe trübes Wasser aus toten Winkeln, vermeide Mulmwirbel, und gieße frisches, temperiertes Wasser langsam über eine Untertasse ein.
Warum täglich? Weil Jungfische empfindlich auf Schwankungen reagieren – konstante Wasserqualität heißt konstantes Wachstum.
4. Mittags: Ruhe für das Becken – Pflege drumherum
Jetzt ist Beobachtungspause. Ich nutze die Zeit, um:
- Filter zu kontrollieren
- Futterkulturen zu versorgen (z. B. Artemia, Mikrowürmer)
- Neue Infusorienansätze zu starten
- Wasser für den nächsten Tag aufzubereiten
Gleichzeitig: Blick ins Zuchtbuch. Ich dokumentiere Größe, Verhalten, Fressaktivität.
5. Spätnachmittag: zweite Fütterung
Ich wiederhole die morgendliche Fütterung – diesmal ergänzt durch andere Reize. Zum Beispiel: Wenn ich morgens Artemia gegeben habe, gibt’s nachmittags Cyclops. Das trainiert die Jagdreflexe und vermeidet Futterfixierung.
Ich beobachte, wie die Fische reagieren: Welche greifen sofort an? Welche bleiben zögerlich? Welche stehen reglos?
Solche Beobachtungen helfen mir, Nachzuchten mit Potenzial früh zu erkennen.
6. Abend: letzte Kontrolle
Vor dem Lichtaus: letzte Sichtung. Ich prüfe:
- Sind alle da? (bei kleinen Gruppen zählbar)
- Gibt es auffällige Schwimmer?
- Atmen alle normal?
Ich nutze eine kleine, dimmbare Taschenlampe mit warmem Licht – kein Flutlicht. Ich streue manchmal etwas Futter, um die Reaktion zu sehen.
7. Wochenroutinen integriert
Einmal pro Woche:
- Abgleich der Wachstumsdaten mit Vorwoche
- Vorsortierung (wenn nötig) nach Größe
- Erste Vorauswahl bei sichtbaren Entwicklungsunterschieden
Ich bin kein Fan von Stressumsetzungen – aber manchmal ist Gruppentrennung der Schlüssel zur gleichmäßigen Entwicklung.
Fazit: Es ist Arbeit – und es lohnt sich
Aufzucht ist keine passive Phase. Es ist eine Zeit höchster Aufmerksamkeit, Sorgfalt und Disziplin. Für mich ist sie der Moment, in dem aus „Zucht“ echte Verantwortung wird.
Ich sehe meine Aufzuchtbecken als Klassenzimmer – voller kleiner Persönlichkeiten, die wachsen wollen. Und ich bin der, der ihnen die besten Bedingungen dafür schafft.
Herzlich,
Haustier Blogger
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