Mulm ist kein Dreck: Warum ich nie mehr „sauber“ züchte

Ich war früher besessen von Sauberkeit. Bis ich begriff: Mulm ist Leben.

Dieser Blogpost ist eine Liebeserklärung an das, was viele absaugen, ohne es zu verstehen: den Mulm. Diese braune, weiche Schicht auf dem Boden, die nicht nur „Dreck“ ist – sondern Grundlage für gesunde Zuchten.

1. Was ist Mulm eigentlich?

Mulm besteht aus organischen Reststoffen: Futterreste, abgestorbene Pflanzenteile, Ausscheidungen – aber auch Milliarden Mikroorganismen. Es ist ein biologisches Netzwerk: Bakterien, Einzeller, Pilze, Rädertierchen. Für Jungfische: ein Schlaraffenland.

2. Warum ich früher falsch lag

Ich saugte früher regelmäßig alles ab. „Weißer Sand, klare Sicht“, dachte ich. Und wunderte mich, warum die Aufzucht stockte.

Heute lasse ich Mulm gezielt zu – vor allem in Aufzuchtbecken. Denn er:

  • versorgt Jungfische mit Mikroorganismen
  • puffert Schwankungen im Wasser
  • bindet Giftstoffe
  • dämpft Stress durch natürliche Umgebung

3. Mulm ist Aufzuchtfutter!

Die Mikroorganismen im Mulm sind das erste Futter für winzige Larven – z. B. bei Betta, Apistogramma, Killifischen. Ich habe mehrfach beobachtet: In „sterilen“ Becken verhungern Larven trotz Artemia. In Mulmbecken wachsen sie stabiler auf – weil sie ab Tag 1 Nahrung finden.

4. Mein Mulm-Management

Ich sauge Mulm nicht regelmäßig ab. Stattdessen:

  • nur punktuell, wenn sich Schichten ansammeln
  • nur in Ecken mit Futterresten
  • gezielter Wasserwechsel ohne Bodensog

Ich benutze einen dünnen Luftschlauch als „Mulmsauger light“ – sehr fein dosierbar.

5. Mulm aus reifen Becken – als Starterkultur

Beim Ansetzen neuer Aufzuchtbecken gebe ich eine Handvoll Mulm aus etablierten Becken hinzu – das beschleunigt die biologische Reifung und bringt sofort Mikroorganismen mit.

Tipp: Nur aus gesunden, stabil laufenden Becken verwenden!

6. Mulm und Filter – das perfekte Duo

Ich kombiniere luftbetriebene Schwammfilter mit einem „lebendigen“ Boden. Der Filter sorgt für Sauerstoff und Strömung – der Mulm für Bakterien und Nahrung. Zusammen bilden sie eine stabile Mikrofauna-Basis.

7. Mulm ist nicht gleich Mulm

Unterschiede, die ich beachte:

  • Feiner Mulm: hellbraun, riecht neutral → ideal!
  • Fauliger Mulm: dunkel, stinkend → gefährlich!

Fauliger Mulm entsteht bei Überfütterung, zu wenig Strömung oder fehlender Pflege. Hier greife ich ein – absaugen, belüften, ggf. Teilwasserwechsel.

8. Mulm für Pflanzenzucht

Ich nutze Mulm auch als Dünger: Im Pflanzbecken reichert er den Boden mit Nährstoffen an – besonders für Cryptocorynen, Echinodorus und Moose. Wichtig: nicht zu viel – sonst Algenalarm.

9. Kritik: „Sieht doch unästhetisch aus!“

Stimmt – wenn man Hochglanzbecken erwartet. Aber in der Zucht zählt Funktion. Und wenn sich im Mulm Jungfische verstecken, laichen oder wachsen, dann hat „schön“ für mich eine andere Bedeutung bekommen.

Fazit: Mulm ist dein Freund

Wenn du erfolgreich züchten willst, lerne, den Mulm zu schätzen. Er ist das biologische Rückgrat jedes funktionierenden Zuchtbeckens – und kostet keinen Cent.

Also: Lass ihn liegen. Beobachte, was passiert. Und freu dich über winzige Fischmäuler, die im Mulm ihre ersten Mahlzeiten finden.

Herzlich,
Haustier Blogger

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