Mein Lieblingszuchtpaar: Warum diese zwei Fische meine ganze Denkweise verändert haben
Ich hatte viele Zuchtpaare. Aber nur eines hat mich verändert.
In diesem Beitrag geht es nicht um Technik, nicht um Wasserwerte oder Futterpläne. Es geht um Beziehung. Um zwei Tiere, die mir gezeigt haben, dass Zucht mehr sein kann als Reproduktion – nämlich Partnerschaft.
1. Wie alles begann
Ich bekam die beiden durch Zufall: Ein Händler hatte ein einzelnes Weibchen und ein einzelnes Männchen von Pelvicachromis pulcher – Purpurchichliden. „Keine Garantie, dass sie sich verstehen“, sagte er. Ich nahm sie mit – ohne große Erwartungen.
Sie lebten sich ruhig ein. Kein Gezicke, keine Dominanzspiele. Sie schwammen oft nebeneinander – unauffällig, aber synchron. Ich nannte sie „Lotti und Fred“.
2. Ihre erste Brut – völlig überraschend
Nach nur zwei Wochen entdeckte ich die ersten Eier. Und zum ersten Mal sah ich, was echte Teamarbeit ist:
- Lotti fächelte mit den Brustflossen
- Fred patrouillierte unermüdlich um das Revier
- Wenn ein Panzerwels zu nah kam, stellte er sich vor die Höhle
Ich hatte sowas noch nie gesehen – so klar verteilt, so abgestimmt.
3. Nicht alles lief perfekt
Die erste Brut wurde nach drei Tagen gefressen. Ich war enttäuscht. Doch das Paar? Balzte weiter. Zwei Wochen später: neue Eier, neue Hoffnung – diesmal erfolgreich. Ich beobachtete jeden Tag stundenlang. Und begann aufzuschreiben, was ich sah.
Daraus entstand mein erstes Zuchttagebuch.
4. Was ich durch sie gelernt habe
Ich begann, auf Verhalten statt nur auf Daten zu achten:
- Wie bewegt sich das Weibchen nach dem Wasserwechsel?
- Wie reagiert das Männchen auf Fremdtiere?
- Gibt es bestimmte Tageszeiten für Balz?
Ich wurde leiser, geduldiger – und erfolgreicher.
5. Der Moment, der alles änderte
Bei ihrer vierten Brut sah ich, wie Fred die Jungfische mit Maulbewegungen zu Lotti „rüberschob“, wenn sie sich entfernten. Und Lotti nahm sie zwischen die Bauchflossen – wie unter die Flügel. Ich war gerührt. Kein Instinkt, das war Fürsorge.
Ab da wusste ich: Ich will Zucht nicht mehr „funktionalisieren“. Ich will Beziehung fördern.
6. Ihre letzte Brut – und mein größter Respekt
Nach etwa einem Jahr wurde Fred träge. Kein Krankheitsbild, aber alt. Lotti kümmerte sich mehr um ihn als um die Brut. Nach der letzten Aufzucht starb Fred in der Nacht – friedlich. Lotti wurde ruhiger. Ich ließ sie allein. Sie lebte noch sechs Monate – dann auch sie, ohne Krankheit.
7. Ich züchte heute anders
Ich achte mehr auf Verhalten als auf Optik. Ich trenne Paare nicht mehr nur wegen Effizienz. Ich gebe Tieren Zeit – um sich zu finden, um zu lernen, um zu sein.
Zucht ist für mich heute ein gemeinsamer Prozess – kein Produktionsziel.
Fazit: Zwei kleine Fische, eine große Lehre
Lotti und Fred haben mir gezeigt, dass Zucht nicht nur Biologie ist – sondern Beziehung. Vertrauen. Verantwortung.
Und wenn ich heute ein neues Paar einsetze, frage ich nicht nur: Passen die Wasserwerte? Sondern auch: Passen sie zueinander?
Danke, Lotti. Danke, Fred.
Herzlich,
Haustier Blogger
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