Kein Thermometer? Keine Zucht! Warum ich heute in jedem Becken doppelt messe

Ein Grad macht den Unterschied zwischen Laichbereitschaft und Lethargie. Zwischen Aufzuchterfolg und Totalverlust.

Früher dachte ich, ein Thermometer reicht – Hauptsache digital. Heute messe ich doppelt: mit Glas- und Digitalthermometern. Warum? Weil ich Fehler gemacht habe, die ich dir ersparen möchte.

1. Warum Temperatur so entscheidend ist

In der Zucht entscheidet die Temperatur über:

  • Laichbereitschaft
  • Brutdauer
  • Wachstum
  • Futterverwertung
  • Krankheitsanfälligkeit

Ein Unterschied von 1 °C kann Verhalten völlig verändern – besonders bei sensiblen Arten wie Zwergbuntbarschen oder Labyrinthern.

2. Mein schlimmster Fehler: blind dem Display vertraut

Ich hatte ein modernes Digitalthermometer – es zeigte 26,5 °C. Tatsächlich waren es 28,9 °C. Folge: Totalausfall bei einer Apistogramma-Aufzucht.

Seitdem: Kontrolle mit zweiter Methode – regelmäßig!

3. Welche Thermometer ich heute nutze

  • Digital: für kontinuierliche Kontrolle mit externem Sensor
  • Glasthermometer: zur Kalibrierung und Überprüfung
  • Infrarot-Pistole: gelegentlich zur Kontrolle ohne Berührung

Ich markiere jedes Becken mit den Zielwerten – z. B. 26,0 °C ±0,5 °C – und kontrolliere morgens und abends.

4. Was ich regelmäßig überprüfe

  • Stimmt das Display mit dem Glasthermometer überein?
  • Gab es Temperatursprünge über Nacht?
  • Läuft der Heizer korrekt?

Ich habe automatisierte Temperaturgraphen mit Logger getestet – spannend, aber nicht nötig. Visuelle Kontrolle reicht oft.

5. Probleme durch unbemerkte Temperaturschwankungen

  • Frühschlüpfer → Fütterung nicht vorbereitet
  • Verpilzen der Eier durch Temperaturstress
  • Futter wird schlechter verdaut
  • Eltern verlieren Brutpflegeinstinkt

Ein Grad zu viel oder zu wenig – und alles steht auf der Kippe.

6. Temperatursicherung bei Stromausfall

Ich habe heute folgende Maßnahmen getroffen:

  • Notfall-Akku für Heizer (USB-Heizstab + Powerbank für kleine Becken)
  • Wärmflaschen + Isolierung für große Becken
  • Temperaturalarm über WLAN-Thermometer

Auch das ist Teil der Zucht – vorbereitet sein.

7. Zuchtimpulse über Temperatursteuerung

Ich spiele bewusst mit der Temperatur:

  • +2 °C → Laichauslösung
  • –1 °C → Ruhephase simulieren
  • konstante Temperatur → Aufzucht stabilisieren

Aber das geht nur, wenn ich exakt weiß, was gerade im Becken passiert.

Fazit: Messen ist Pflicht, nicht Kür

Ein gutes Thermometer kostet 5–15 €. Ein Verlust durch Temperaturfehler kostet manchmal Generationen. Ich messe heute lieber einmal mehr – und bin dafür ruhig, wenn ich das Verhalten der Fische beobachte.

Wenn du langfristig züchten willst: Gönn dir ein zweites Thermometer. Du wirst überrascht sein, was du entdeckst.

Herzlich,
Haustier Blogger

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Die Sache mit dem pH-Wert: Warum 0,2 Unterschied über Leben und Tod entscheiden können

Der zweite Versuch: Was ich aus meinem gescheiterten Zuchtprojekt gelernt habe

Zuchtstress? So erkenne ich Überforderung bei meinen Fischen frühzeitig