Zucht mit Pflanzen – Warum Grünzeug im Zuchtbecken viel mehr ist als Deko
Viele Züchter setzen auf karge Becken – ich setze auf Pflanzen. Denn Pflanzen sind nicht nur schön, sie sind effektiv: als Wasserverbesserer, Versteck, Futterquelle und Wohlfühlgarant.
In diesem Beitrag erfährst du, warum du auch im Zuchtbecken auf eine gezielte Bepflanzung setzen solltest – und welche Arten ich selbst seit Jahren erfolgreich einsetze.
1. Pflanzen als biologische Filter
In jedem Becken entstehen Abbauprodukte: Ammonium, Nitrat, CO₂. Pflanzen nehmen genau diese Stoffe auf – und machen daraus Sauerstoff und Wachstum.
- Stabile Nitratwerte durch schnellwüchsige Arten
- pH-Stabilisierung durch CO₂-Aufnahme tagsüber
- Geringere Algenbildung durch Konkurrenz
Mein Setup: Ich lasse Pflanzen bewusst "wuchern" – regelmäßiger Rückschnitt, aber nie Kahlschlag. Das bringt Balance.
2. Verstecke und Reviere schaffen
Viele Fischarten fühlen sich nur sicher, wenn sie Rückzugsmöglichkeiten haben. Pflanzen bieten diese – in allen Beckenzonen:
- Schwimmpflanzen: dimmen das Licht, schaffen Deckung von oben
- Stängelpflanzen: bieten vertikale Struktur – ideal für friedliche Revierbildung
- Bodendecker: schaffen Laichschutz und Mikrofauna-Habitate
Ich habe festgestellt: In bepflanzten Becken zeigen selbst scheue Arten schneller Balz- und Brutverhalten.
3. Pflanzen als Futterquelle
Kaum bekannt: Pflanzen sind indirekt Futter. Warum?
- Sie fördern Biofilm – Jungfische weiden daran
- Moose und feinfiedrige Arten binden Mikroorganismen
- Algenbeläge an Pflanzen sind Futter für Welse und Garnelen
Ich beobachte häufig, dass Jungfische gezielt auf Moosflächen Nahrung aufnehmen – besonders in den ersten Tagen.
4. Pflanzenauswahl fürs Zuchtbecken
Meine Favoriten – pflegeleicht, effektiv und jungfischfreundlich:
1. Javamoos (Taxiphyllum barbieri)
- Unverwüstlich, wächst auf Holz, Stein, Boden
- Mikrofutter-Magnet
- Super für Labyrinthfische, Garnelen, Jungwelse
2. Hornkraut (Ceratophyllum demersum)
- Schnellwachsend, saugt Nährstoffe auf
- Ideal für Freilaicher – Eier bleiben hängen
- Wächst ohne Wurzel, schwimmend oder gesteckt
3. Wasserpest (Elodea densa)
- Günstig, robust, guter Sauerstofflieferant
- Super für Zebrabärblinge oder Guppy-Zucht
4. Froschbiss (Limnobium laevigatum)
- Schwimmpflanze mit langen Wurzeln
- Schatten & Schutz – ideal für ruhige Zonen
Tipp: Ich kombiniere immer Moose mit einer Schwimmpflanze und mindestens einer Stängelart – so ist jede Zone abgedeckt.
5. Pflanzenpflege im Zuchtbecken
- Düngung: nur sparsam – kein CO₂, höchstens Mikronährstoffe
- Licht: 6–8 Stunden pro Tag, eher schwach als zu stark
- Pflege: Rückschnitt alle 1–2 Wochen, abgestorbene Blätter entfernen
Ich dünge z. B. mit Easy Life Profito – aber nur ⅓ der empfohlenen Menge, damit Jungfische nicht gefährdet werden.
6. Pflanzen und Technik – kein Widerspruch
Auch in Technikbecken (mit Luftheber, Schwammfilter etc.) lassen sich Pflanzen gut integrieren. Du musst nur:
- Wurzelzehrer (Anubias, Javafarn) aufbinden
- Feinlaubige Arten von Strömung fernhalten
- Auf gute Lichtverteilung achten – keine Hotspots
Ich verwende z. B. LED-Streifen mit Diffusor, um eine gleichmäßige Ausleuchtung zu erreichen – selbst Moos wächst so kompakt und dicht.
Fazit: Pflanzen züchten mit
Sie sorgen für sauberes Wasser, gutes Verhalten, Futter, Sauerstoff – und für dich als Züchter: für weniger Stress.
Wenn du bisher auf kahle Zuchtbecken gesetzt hast: Probiere ein bepflanztes Setup. Du wirst staunen, wie lebendig, stabil und erfolgreich es laufen kann.
Herzlich,
Haustier Blogger
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