Fütterungsrhythmus in der Zucht: So fressen Jungfische sich groß

„Wann soll ich füttern?“ ist in der Zucht fast wichtiger als „Was soll ich füttern?“ Denn der Rhythmus macht den Unterschied zwischen Überleben und Gedeihen.

In diesem Beitrag zeige ich dir, wie du Fütterungszeiten und -mengen optimal an deine Jungfische anpasst – von Infusorien bis Artemia, von Tag 1 bis zur Abgabe.

1. Futter = Entwicklungsgeschwindigkeit

Fische wachsen nicht kontinuierlich, sondern schubweise. Und jeder Wachstumsschub braucht Energie – die muss zur richtigen Zeit da sein:

  • Zu wenig Futter = Wachstumsstopp, Entwicklungsverzögerung
  • Zu viel Futter = Wasserbelastung, Krankheitsgefahr

Richtwert: Jungfische sollten 5–6× täglich kleine Mengen bekommen. Nicht mehr als in 2 Minuten gefressen wird.

2. Tag 1 bis 3 – die Dottersack-Phase

In dieser Zeit ist keine aktive Fütterung notwendig. Die Larven zehren von ihrem Dottersack. Aber:

  • Bereite bereits jetzt Infusorienkulturen vor
  • Sorge für weiches Licht und ruhige Umgebung
  • Keine Strömung – kein Filter, höchstens Luftheber mit Schwamm

Ich bringe parallel ein Stück Java-Moos oder getränktes Erlenzapfenwasser ein – so siedeln sich Mikroorganismen an, die später als Futter dienen.

3. Tag 4 bis 10 – die Startfütterung

Jetzt beginnt die kritischste Phase: Die Jungfische müssen selbst fressen. Sie brauchen kleinste, bewegte Partikel.

  • Infusorien: 3–4× täglich ins Becken geben
  • Essigälchen: 1× täglich – sinken langsam, lange sichtbar
  • Mikrowürmer: ab ca. Tag 7 – je nach Maulgröße

Ich verwende eine Pipette und gebe immer nur einen Tropfen pro 3–5 Liter – so sehe ich, ob die Kleinen darauf reagieren.

4. Tag 10 bis 20 – aufbauen und differenzieren

Jetzt wachsen die Kleinen sichtbar. Du kannst langsam auf Artemia-Nauplien umsteigen:

  • 2× täglich frische Nauplien (nicht älter als 24h)
  • 1× Mikrowürmer oder Staubfutter (abwechslungsreich füttern!)
  • 1× täglich Infusorien (weiterhin als Ergänzung wichtig)

Ich ziehe Nauplien täglich frisch auf – je nach Wurfgröße in 0,5- bis 2-Liter-Ansätzen.

5. Woche 4 bis 6 – Selektionsphase

Jetzt bilden sich Größenunterschiede aus. Wichtig:

  • Stärkere Fische nicht alle anderen verdrängen lassen
  • Bei Bedarf aufteilen (nach Größe sortieren)
  • Mehr Futter anbieten – aber an mehreren Stellen gleichzeitig!

Ich verteile das Futter mit einem feinen Pinsel oder einer Pipette auf mehrere Ecken – so bekommen auch schwächere Tiere genug.

6. Ab Woche 6 – vorbereiten auf den Umzug

Nun kannst du langsam an „normales“ Futter gewöhnen:

  • Feine Flocken oder Granulat (zerreiben!)
  • Gefrostete Nauplien oder Cyclops
  • 1–2× pro Woche weiterhin Lebendfutter für Entwicklungsschub

Ich achte in dieser Phase auf Farbentwicklung, Verhalten und Fressverhalten – das zeigt, wer bereit für das neue Zuhause ist.

Fütterungstechniken und Tipps

  • Pipette, Pinsel, Zahnstocher – statt großer Futterspritzen
  • Futterstellen wechseln – Verhaltensanreize setzen
  • Futtermenge dokumentieren – weniger ist oft mehr

Ich führe ein kleines „Futterbuch“ pro Zuchtansatz – das hilft beim Optimieren für spätere Gelege.

Fazit: Regelmäßigkeit schlägt Menge

Viele Anfänger füttern zu selten, aber zu viel. Erfolgreiche Züchter füttern oft, gezielt – und beobachten.

Mit einem guten Rhythmus, passenden Futtersorten und etwas Geduld wachsen selbst winzige Larven zu kräftigen Jungfischen heran.

Herzlich,
Haustier Blogger

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