Der erste Nachwuchs: Was tun, wenn die Fische endlich gelaicht haben?
Der große Moment ist da. Du schaust morgens ins Becken – und da ist es: ein Gelege, Larven am Boden oder sogar schon freischwimmende Jungfische. Euphorie! Und dann? Leichte Panik. Was jetzt?
In diesem Blogpost erfährst du, wie du dich am besten verhältst, wenn der erste Zuchterfolg eintritt. Vom Umgang mit den Elterntieren über Fütterung und Wasserqualität bis zur Aufzuchtorganisation – Schritt für Schritt.
1. Nicht in Panik verfallen
Dein erster Impuls ist vielleicht, sofort alles zu verändern: Wasser wechseln, Gelege sichern, Licht dimmen, Filter ausschalten. Aber Vorsicht – plötzliche Änderungen können mehr Schaden anrichten als helfen.
Grundregel: Beobachten statt eingreifen. Ruhe bewahren.
Die meisten Elternfische kümmern sich bei guter Vorbereitung zuverlässig um den Nachwuchs – zumindest in den ersten Stunden.
2. Elterntiere – drin lassen oder rausnehmen?
Das hängt stark von der Art ab. Generell gilt:
- Brutpfleger (z. B. Apistogramma, Betta): Elterntiere drin lassen – sie betreuen die Jungen aktiv
- Freilaicher ohne Brutpflege (z. B. Salmler, Bärblinge): sofort entfernen – sonst wird das Gelege gefressen
- Maulbrüter: nicht stören – bei Stress wird das Maul geleert!
Ich beobachte 12–24 Stunden lang. Wenn die Eltern auffällig nervös sind, die Jungen jagen oder fressen – dann raus damit.
3. Erste Fütterung – was, wann, wie?
Die meisten Larven zehren in den ersten 24–72 Stunden vom Dottersack. Danach beginnt die aktive Futtersuche – und hier entscheidet sich oft das Überleben.
- Infusorien: die Basis – kannst du aus Bananenschale, Heu oder Salatwasser selbst züchten
- Essigälchen: gut sichtbar, lange haltbar im Wasser
- Mikrowürmer: ideal ab Tag 3–4
- Artemia-Nauplien: erst ab 5–7 mm Körperlänge sinnvoll – nicht für jede Art sofort geeignet
Regelmäßig, aber wenig: 4–6 Fütterungen täglich, winzige Mengen. Alles, was nicht in 5 Minuten gefressen wird, belastet das Wasser.
4. Wasserqualität stabil halten
Jungfische reagieren empfindlich auf:
- Ammonium/Nitrit
- pH-Schwankungen
- plötzliche Temperaturänderungen
Ich mache alle zwei Tage einen Teilwasserwechsel (10–20 %) mit abgestandenem, temperiertem Wasser. Keine starken Strömungen, kein Absaugen in der Nähe der Kleinen.
Tipp: Kleine Schnecken oder ein sanfter Filterschwamm helfen beim biologischen Gleichgewicht.
5. Aufzucht separat oder im Hauptbecken?
Das kommt auf das Setup an. Möglichkeiten:
- Im Zuchtbecken: mit Eltern – wenn friedlich und bewährt
- In Aufzuchtnetz/Box: sicher, aber klein – oft nur als Übergang geeignet
- In separatem Aufzuchtbecken: beste Lösung bei größeren Würfen oder empfindlichen Arten
Ich überführe Jungfische meist ab Tag 3–4 in ein eigenes Becken mit Mulm, Moos, einem Stück Seemandelblatt – und täglicher Fütterung + Beobachtung.
6. Beobachten und dokumentieren
Mach dir Notizen! Wann geschlüpft? Welche Fütterung angenommen? Wieviele überlebt?
Das hilft bei späteren Zuchtversuchen enorm. Ich führe für jedes Gelege ein kleines Logbuch – mit Datum, Art, Futterplan und Entwicklungsschritten. Man glaubt nicht, wie unterschiedlich gleiche Arten reagieren können.
Fazit: Wenn’s soweit ist – mach’s bewusst
Der erste Nachwuchs ist etwas Besonderes. Und oft der Beginn einer Leidenschaft, die weit über das bloße Halten von Fischen hinausgeht. Zucht ist Verantwortung, Detailarbeit – aber auch pure Freude.
Wenn du dich vorbereitest, langsam reagierst und auf die Bedürfnisse deiner Tiere achtest, wird aus einem kleinen Gelege vielleicht deine erste eigene Linie.
Herzlich,
Haustier Blogger
Kommentare
Kommentar veröffentlichen