Der Zuchtraum meiner Träume: Wie ich eine Garage in ein lebendiges Fischzuchtlabor verwandelte

Einleitung: Als ich vor gut einem Jahr die Entscheidung traf, meine alte Garage in einen vollwertigen Zuchtraum umzubauen, hielten mich viele für verrückt. „Du willst ernsthaft deine Garage aufgeben? Für Fische?!“ – Ja. Und heute weiß ich: Es war die beste Entscheidung meines aquaristischen Lebens.

In diesem Blogpost nehme ich dich mit auf meine Reise – von der staubigen Werkstatt zur feuchten, leisen, lebendigen Welt meiner Zuchtprojekte. Es geht nicht nur um Technik und Becken. Es geht um Raumgefühl, Planung, Hygienekonzepte, Fischwohl – und um die Magie, wenn alles zusammenkommt. Am Ende dieses Beitrags wirst du sehen, dass ein Zuchtraum nicht nur ein Ort zum Arbeiten ist – er kann ein Ort zum Staunen, Lernen und sogar Meditieren werden.

1. Die Idee reift: Warum eine Garage?

Ich wohne in einem typischen Reihenhaus. Platz ist knapp. Mein Auto steht ohnehin draußen – und die Garage war mehr Gerümpelkammer als Lagerfläche. Die Temperatur schwankt dort nicht so extrem wie im Schuppen, und mit ein wenig Isolierung lässt sich auch im Winter arbeiten.

Was mir klar war: Wenn ich meine Zucht ernster betreiben wollte, musste ich mich professionalisieren. Ein Wohnzimmerbecken hier, ein Aufzuchtkasten im Gästezimmer da – das war Chaos. Ich brauchte Struktur. Kontrolle. Und Ruhe.

2. Planung ist alles: Die wichtigsten Überlegungen vor dem ersten Hammerschlag

  • Stromversorgung: Ich legte eine separate Leitung mit FI-Schutzschalter, mehrere wasserfeste Steckdosenleisten (IP44) und eine eigene Sicherung nur für den Raum.
  • Wasseranschluss: Ich verlängerte die Wasserleitung aus dem Keller in die Garage. Für das Abwasser nutzte ich eine kleine Hebeanlage mit Rücklaufsperre.
  • Belüftung: Ein Abluftventilator mit Hygrostat beugt Schimmel vor – absolut notwendig!
  • Temperierung: Styrodur-Isolierung an Wänden und Decke, ein frostfreier Heizlüfter mit Thermostat und eine Deckenisolierung mit Aluminium-Dampfsperre halten die Temperaturen konstant.

Ich zeichnete den Grundriss, überlegte mir ein Regalsystem, plante Laufwege, Arbeitsflächen, Lichtquellen. Nichts war dem Zufall überlassen.

3. Der Umbau: Vier Wochen Staub, Schweiß – und Freude

Ich begann mit dem kompletten Ausräumen und Entkernen der Garage. Alte Regale, Werkbank, Bohrmaschinen – alles raus. Danach folgte:

  1. Verputzen und Streichen der Wände (Feuchtraumfarbe)
  2. Einziehen von Isolierplatten (6 cm Styrodur) an Decke und Seitenwänden
  3. Verlegen von PVC-Bodenbelag (wasserfest, leicht zu reinigen)
  4. Montage von drei Schwerlastregalen (für je 3 Becken à 100 Liter pro Regalebene)
  5. Installation der Wassertechnik, Belüftung, Stromleisten und Beleuchtung

Ich richtete einen Arbeitstisch ein, eine Spüle mit Schlauchanschluss und ein kleines Regal nur für Futter, Medikamente und Wasseraufbereiter.

4. Der Zuchtraum im Alltag: Meine Struktur, meine Abläufe

Ich arbeite nach einem festen Wochenplan:

Tag Aufgabe
Montag Wasserwechsel Becken A, B, C / Larvenfütterung intensiv
Dienstag Wasseranalysen / Filterreinigung bei Bedarf
Mittwoch Zuchtbeobachtung / Selektion / Notizen im Logbuch
Donnerstag Wasserwechsel Becken D, E / Artemia ansetzen
Freitag Reinigung Arbeitsflächen / Hygienekontrolle
Samstag Fütterung Spezialfutter / Temperaturabgleich / Fotodokumentation
Sonntag Ruhetag – nur Kontrolle der Technik und Tiere

Ich führe ein handschriftliches Zuchtbuch. Darin notiere ich Laichverhalten, Verhalten bei Wasserwechseln, Auffälligkeiten, Mortalitäten, Wachstum. Es hilft enorm, Muster zu erkennen.

5. Die Bewohner: Wer hier lebt – und warum

  • Pseudomugil furcatus: Regenbogenartige Winzlinge – empfindlich, aber bezaubernd. Ich halte sie in 60-Liter-Artenbecken mit dichten Javafarnwäldern.
  • L144 Ancistrus: Albino-Antennenwelse mit hoher Nachfrage. Züchte ich im unteren Bereich der Schwerlastregale – dort ist es dunkler.
  • Parosphromenus nagyi: Seltene Labyrinther – Schaumnestbauer mit ganz eigenem Charme. Schwarzwasserbecken mit Eichenlaub und minimalem Licht.

Alle Becken sind separat gefiltert (Schwammfilter), einzeln beleuchtet (LED mit Dimmer) und individuell beheizt. Ich nutze keine zentrale Filterung – zu riskant im Krankheitsfall.

6. Überraschende Learnings

  • Leise Becken machen glückliche Fische. Ich dämme sogar die Luftpumpen mit Schaumstoffboxen.
  • Ordnung ist alles. Jeder Schlauch, jedes Werkzeug hat seinen Platz. Chaos stresst – auch die Tiere.
  • Lichtzyklen sind heilig. Ich arbeite mit Zeitschaltuhren – auch in der Übergangszeit.

7. Die emotionale Seite: Mein Rückzugsort

In meinem Zuchtraum herrscht eine besondere Atmosphäre. Es ist leise, warm, riecht nach feuchtem Laub und Leben. Ich verbringe oft Stunden dort – nicht, weil ich muss, sondern weil ich will. Beobachte. Lerne. Meditiere. Hier denke ich besser als in jedem Büro.

Manchmal schalte ich das Licht aus, lasse nur das Mondlicht der Becken an und setze mich auf den Hocker in der Mitte. Dann höre ich das leise Blubbern der Luftfilter, sehe kleine Schatten durchs Wasser huschen – und bin einfach nur dankbar.

8. Fazit: Wenn ein Raum dein Denken verändert

Der Umbau war nicht billig. Nicht einfach. Aber er hat meine Aquaristik auf ein neues Level gehoben. Es geht nicht nur um Zuchtquoten. Es geht darum, einen Raum zu schaffen, in dem du dich als Mensch entwickelst – mit Geduld, Hingabe, Beobachtungsgabe.

Falls du auch überlegst, einen Raum deiner Wohnung oder deines Hauses für die Fischzucht zu nutzen: Tu es. Plane sorgfältig, aber zögere nicht ewig. Die Reise beginnt mit einem Entschluss.

Ich wünsche dir bei deinem Projekt viel Inspiration, handwerkliches Geschick und vor allem Freude an der Stille, die nur Wasser füllen kann.

Mit besten Grüßen,
Haustier Blogger

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