Die erste Woche nach dem Schlupf: So bringe ich meine Jungfische durch

Die ersten sieben Tage nach dem Schlupf sind entscheidend. Genau in dieser Phase entscheidet sich oft, ob du am Ende 50 gesunde Jungtiere großziehst – oder ob der Nachwuchs nach und nach verschwindet.

Ich zeige dir heute, wie ich die heikelste Phase in der Fischzucht über die Jahre gemeistert habe. Mit System, Geduld – und manchmal auch mit einer Prise Improvisation.

1. Das richtige Aufzuchtbecken vorbereiten

Für frisch geschlüpfte Jungfische gilt: weniger Reize, mehr Stabilität. Ich nutze bevorzugt:

  • 10–20 l Becken, ohne Bodengrund
  • Schwammfilter mit Luftheber (feinporig, nicht zu starker Durchfluss)
  • 2–3 Lavasteine oder Javamoospolster als Mikrohabitat
  • Seitlich abgedunkelt mit schwarzer Folie – reduziert Stress

Wichtig: Das Wasser stammt vollständig aus dem Elternbecken – so bleibt die Bakterienflora stabil.

2. Temperatur und Beleuchtung konstant halten

Ich halte die Temperatur meist 1–2 °C höher als im Elternbecken – das beschleunigt Entwicklung, ohne zu stressen. Ideal sind 26–28 °C für die meisten Arten.

Beleuchtung nur 8–10 Stunden täglich, am besten indirekt. Dauerlicht schwächt den Tag-Nacht-Rhythmus der Jungtiere.

3. Fütterung ab Tag 1 – aber richtig

Das größte Missverständnis: „Die fressen noch nichts.“ Doch – viele tun es. Aber sie brauchen Mikroorganismen in passender Größe.

Meine Futterstrategie:

  • Tag 1–3: Infusorien (z. B. Paramecien-Kulturen), Biofilm
  • Tag 4–7: Staubfutter, frisch geschlüpfte Artemia, Mikrowürmchen
  • Ab Tag 7: fein zerriebenes Trockenfutter oder feinstes Frostfutter

Ich füttere anfangs 4–5 Mal täglich winzige Mengen. Sichtkontrolle hilft: Die Bäuche sollten leicht rund, aber nicht aufgetrieben wirken.

4. Wasserqualität täglich im Blick

Kein Parameter ist gefährlicher als Ammonium/Nitrit. Schon kleinste Mengen sind für Jungtiere tödlich.

Meine Routine:

  • Täglich 10–15 % Wasser wechseln – mit Pipette oder Schlauch sehr vorsichtig
  • Nitrittest jeden Morgen
  • Filter nur reinigen, wenn Durchfluss merklich nachlässt – nie prophylaktisch!

Ich nutze zudem einen Tropfen Wasseraufbereiter, der Ammonium bindet – als Sicherheitsnetz.

5. Beobachten, dokumentieren, handeln

Ich führe ein Zuchtprotokoll – täglich trage ich ein:

  • Anzahl geschlüpfter Tiere (geschätzt)
  • Futtergaben und Verhalten
  • Temperatur, Wasserwechsel, Filterstatus

Warum? Weil selbst kleinste Veränderungen oft Hinweise liefern – ein Fisch, der sich anders verhält, ein plötzlicher Rückgang, eine neue Schmutzquelle.

6. Was ich vermeide

  • Keine Schnecken oder Garnelen in den ersten 7 Tagen – sie können unbemerkt fressen
  • Keine Technik mit Sogwirkung – auch feine Ansaugungen können tödlich sein
  • Keine Filtermedien mit chemischen Zusätzen (wie Aktivkohle)

Auch bei der Einrichtung gilt: Weniger ist mehr. Lieber sterile Kontrolle als dekoratives Chaos.

7. Erste Verluste – und was sie bedeuten

Verluste in der ersten Woche sind normal – aber sie sollten unter 20 % bleiben. Wenn mehr Tiere sterben:

  • Filter prüfen (Sauerstoffversorgung?)
  • Futter verifizieren (wirklich lebendig? Nicht zu groß?)
  • Wasserwerte sofort messen

Ich markiere verstorbene Tiere nicht nur in der Statistik, sondern notiere auch mögliche Ursachen – das hilft bei der nächsten Generation.

Fazit: Die erste Woche ist heikel – aber mit Plan machbar

Ich habe viele Fehler gemacht – zu viel Licht, zu viel Futter, zu wenig Wechsel. Heute ist meine Erfolgsquote in der ersten Woche bei über 80 %. Das erreichst du nicht durch Glück, sondern durch Kontrolle, Geduld und Beobachtung.

Wenn du diese Phase meisterst, hast du das Fundament für starke, gesunde Nachzuchten gelegt.

Herzlich,
Haustier Blogger

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